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"Everybody can swing. It's just an attitude!"

3. Meisterklasse für Swing- und Jazzgesang

In der Woche vom 9. bis 16. August sollte das Kloster in Ilbenstadt im Niddatal Nähe Frankfurt/ Main in S(ch)wingungen versetzt werden. Hier fanden sich zur „3. Masterclass of Swing and Scat Vocals“ des Deutschen Chorrates neben zahlreichen jazzinteressierten ChordirigentInnen, JazzsängerInnen und welche, die es werden wollen, die Crème de la Crème in Sachen Swing und Jazz zusammen: stellvertretender Leiter der Gesangsabteilung am Berklee College of Music in Boston: Bob Stoloff (USA); Gesangsanimateur und Improvisationslehrer Roger Treece (USA); Zungenlockerin und Dozentin des Jazzgesangs in Würzburg, Nürnberg und München Reinette van Zijtveld-Lustig (NL); Vocal Percussionist und Bassist der Vokalgruppe „Flying Pickets“ Andrea Figallo (I); Chordirigentikone Dr. Wolfgang Schäfer (D); der Jazzvocalist und Chorleiter des Preisträgerchores „Soundsation“ des Deutschen Chorwettbewerbs: Matthias Becker (D) und derjenige Mann, dessen Arrangements nicht mehr aus dem Chorgeschehen wegzudenken sind: Kirby Shaw (USA). Zwischen all diesen Swinggöttern hatte ich die Ehre als Vertretung für den Egelner Kammerchor Young Voices unter der Leitung von Dr. Ralf Schubert in die hohe Kunst des Swing- und Scatgesangs eingeführt zu werden. Dies war nur mit einem vollen Stundenplan möglich, der alle Aspekte bei der Leitung von Jazzchören beinhaltet: Stimmbildung, Harmonielehre, Arrangement, Improvisation, Stilistik, Rhythmik und Probentechnik. Als Einblick in diese erlebnisreiche Woche, möchte ich kurz einen typischen Tag beschreiben:

v.l.n.r.: Kirby Shaw, Andrea Figallo, Bob Stoloff, Matthias Becker
und Roger Treece beim Scatintermezzo während des Abschlusskonzerts

Der Tag begann für uns 50 TeilnehmerInnen morgens um 9 im Weißen Saal, wo wir uns nach dem Frühstück zum morgendlichen Warm-up bei Reinette van Zijtveld-Lustig einfanden. Dies sollte uns nicht nur mit Körperlockerungen, swingenden Einsingübungen auf den sing- und swingintensiven Tag vorbereiten, sondern auch unsere Lachmuskeln zum Leben erwecken. Dann starteten wir mit unserem ersten Block mit Bob Stoloff, der mit uns das Stück „Sleeping Bee“ für das Abschlusskonzert vorbereiten wollte. Als begabter Body Percussionist und Scatgott wusste er immer ein paar Übungen, um unsere Lippen und unsere Körper aufzulockern und uns an den swingenden, synkopenlastigen Charakter dieser Musik zu gewöhnen. Abgelöst wurde er von seinem Kollegen Roger Treece, ein wahrer Komiker, der uns dazu brachte einfach zu fühlen und nicht zu denken. Seine Circelsongs, die wir auch in den Seminaren am Nachmittag ausprobieren konnten, sind Musik, die aus dem Moment heraus entstehen und welche seine Proben immer zu einem Überraschungseffekt machten. Man wusste nie, an welcher Stelle er das Lied „Do it with what you got“ unterbricht, um einen Circle Song einzufügen. Der Dirigent Wolfgang Schäfer stattete uns vor der Mittagspause einen kleinen Besuch ab, um uns Nachhilfe im Dirigieren von vokalen Ensembles zu geben. Während der Gesamtprobe muss ich den Weißen Saal verlassen, um zum Gesangsunterricht bei Reinette vorbeizuschauen. Sie lehrte mir, die Freiheit, die die Jazzmusik zu bieten hat, zu nutzen und endlich frei von allen Noten zu singen: ein völlig neues Gefühl, für mich Chorsängerin, die sonst immer artig singt, was in den Noten steht. In der Mittagspause konnte man den Coachings des Vokaloktetts „Str8voices“ aus Hannover zusehen. Diese acht MusikstudentInnen hatten sich als Ensemble für diesen Workshop beworben und hatten die Möglichkeit jeden Tag von einem der Dozenten gecoacht zu werden.

Kirby Shaw und ich kurz vor dem Abschlusskonzert in Frankfurt/Main

Nach der Mittagspause kamen noch die anderen drei Dozenten zum Einsatz. Als erstes studierte Dr. Matthias Becker „He beeped when he should have bopped“ ein. Hier legten wir einen großen Wert auf Interpretation und gute Artikulation des Textes. Danach teilten wir uns in Gruppen auf und hatten die Qual der Wahl: Entweder Bodypercussion oder Scatvocal für Fortgeschrittene bei Bob, Scatvocal for Greenhorns bei Reinette, Circle Songs bei Roger, Dirigierunterricht bei Wolfgang, Scatgesang oder Tipps zum Arrangieren bei Kirby und Vocal Percussion bei Andrea. Ich wählte jeden Tag ein anderes Seminar aus. Den einen Tag lernte ich bei Reinette als „Greenhorn“ in Sachen Jazz die Grundlagen des Scatgesangs kennen. In kleiner Runde konnten wir TeilnehmerInnen unsere Ängste abwerfen und ließen das Kloster in Ilbenstadt grooven und swingen. Am nächsten Tag fühlte ich mich dann im Scaten schon etwas sicherer und wagte mich in das Seminar von Kirby. Das Seminar „Circle Songs“ bei Roger gab uns die Möglichkeit zu lernen mit dem Chor zu improvisieren, das heißt nach und nach einen Song zu entwickeln. Auch hier wurde von uns gefordert: Keine Angst haben. Nicht nachdenken. Einfach machen!

Bei Bob wurde meine Feinmotorik auf eine harte Probe gestellt. Während er seinen Körper wie ein perfektausgestattetes Schlagzeug behandelte, waren wir damit beschäftigt, den Grundgedanken an unseren Körpern nachzuvollziehen. Auch Vocal Percussion bei Andrea verlangte von uns eine gute Mundmuskulatur und vollste Konzentration. Nach dem Abendbrot fanden wir uns wieder im Weißen Saal zur Chorprobe mit der Legende Kirby Shaw zusammen. Neben zahlreichen lustigen Anekdoten, die er auf Lager hatte, lockerte er unsere Stücke „Cloudburst“ und „Route 66“ mit Scateinlagen auf und forderte auch andere WorkshopteilnehmerInnen dazu auf. Das Schlusslicht bildete Andrea Figallo mit seinem Arrangement „Father Figure“. Hier wurde trotz ausnahmsweise mal recht leichter Stimme viel von uns abverlangt: Musik als nicht endend und immer pulsierend, d.h. eine Pause nicht als Pause zu sehen. Nach Probenende (21 Uhr) war für uns der Abend noch lange nicht zu Ende. Zuviel gab es zwischen den KursteilnehmerInnen auszutauschen, zu gern wollten wir das Neugelernte ausprobieren und so kam es auch zu mitternächtlichen Improvisationsversuchen mit Roger, Bob und Kirby.

Die Teilnehmer des Workshops

Die erlebnisreiche Woche neigte sich dem Ende zu und fand ihr Finale am 15. August mit einem Abschlusskonzert im Dr. Hochs Konservatorium mit dem DCW-Preisträgerchor „Soundsation“ in Frankfurt/ Main. Trotz schlechter Resonanz war dieses Konzert für alle TeilnehmerInnen ein großer Erfolg: Enthusiasmus, Vergnügen und eine ungekannte Freiheit erfüllten das Dr. Hochs Konservatorium. Nachdem der Preisträgerchor des DCW „Soundsation“ das Konzert unter der Leitung von Dr. Matthias Becker eröffnete, konnten die „str8voices“ mit einem Arrangement der von Rammstein bekannten „Engel“ einen Auszug aus ihrem Repertoire zeigen. Danach betrat der Ad-hoc-Chor der Meisterklasse die Bühne, teilweise unterstützt durch das Jazztrio Christoph Aupperle (Piano), Robert Oursin (Bass) und Christof Cho (Schlagzeug), um diese groovige Woche mit einem preisgekrönten Finale zu vollenden. Dabei ließen es sich die Dozenten zwischendurch nicht nehmen, die ein oder andere Überraschung für die Zuhörer als auch für die Teilnehmer bereitzuhalten, sei es nun ein Circle Song von Roger, eine Gesangseinlage von Reinette oder ein kleiner Scatbattle zwischen Bob, Kirby und Matthias. Eins ist sicher: Diese Woche gab allen Teilnehmern ein neues Gefühl und Empfinden für Musik. Diese Woche lockerte nicht nur Zunge und Stimme, sondern auch den Geist. Den Organisatoren, den Dozenten und besonders auch den TeilnehmerInnen ist für dieses wundervolle Erlebnis zu danken.


von Astrid Kunert
Mitglied im Egelner Kammerchor Young Voices


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